VORSTADTKROKODILE 1 (2009) |
|||
|---|---|---|---|
92 Min. | 683091 DE | nicht mehr im Handel | |
96 Min. | 783091 DE | nicht mehr im Handel |
| Originaltitel: | Vorstadtkrokodile 1 | ![]() |
| Filmlänge: | 87 Min. ohne Vor- und Abspann | |
| Regie: | Christian Ditter | |
| Musik: | Heiko Maile, Apollo 3 | |
| Darsteller: | Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe, Manuel Steitz, Robin Walter, Javidan Imani, Nicolas Schinseck, David Hürten, Jacob Matschenz, Axel Stein, Oktay Özdemir, Nora Tschirner, Smudo, Maria Schrader, Martin Semmelrogge, Ralf Richter | |
| Deutschland 2009 |
Die Vorstadtkrokodile sind die coolste Teeniebande in einer früheren Dortmunder Arbeitersiedlung. Um ein Krokodil zu werden, muß der zehnjährige Hannes in den Sommerferien eine gefährliche Aufnahmeprüfung absolvieren. Er soll auf das Dach der schon halb verfallenen alten Ziegelei klettern und sich dort oben die Kette mit dem Mitgliedsabzeichen abholen. Hannes beweist Mut, doch die Aktion geht um ein Haar schief.
Mit seinem Teleskop beobachtet der querschnittgelähmte Kai von seinem Zimmer aus, wie der Junge auf den losen Ziegeln abrutscht und zappelnd an der Dachrinne über dem Abgrund hängen bleibt. Kai alarmiert die Feuerwehr.
Hannes schaut danach nur mal kurz bei Kai vorbei, um sich bei seinem Lebensretter zu bedanken. Daß Kai im Rollstuhl sitzt, ist für Hannes ungewohnt. Kai ist mit seinen Eltern neu in die Siedlung gezogen. Die Behinderung macht es ihm nicht leicht, Freunde zu finden. Dabei möchte er nur wie ein ganz normaler Junge behandelt werden und in eine normale Schule gehen anstatt in die Sonderschule. Kai würde auch gern zu den Krokodilen gehören, aber die lehnen es strikt ab, einen Behinderten in ihrer Bande mitmachen zu lassen.
Als der Laden von Hannes Mutter durch eine brutale Motorradgang überfallen und ausgeraubt wird, macht Kai mit seinem Fernrohr wichtige Beobachtungen. Jetzt setzt Hannes alles aufs Spiel. Wenn Kai ihm hilft, die miesen Einbrecher zu fangen, nimmt er ihn mit zum geheimen Hauptquartier der Vorstadtkrokodile, obwohl diese vorher gegen den Rollstuhlfahrer abgestimmt hatten. An diesem Tag haben sie noch ein ganz anderes Problem, als sich über den unerwünschten Gast aufzuregen. Unbekannte haben ihr Baumhaus abgefackelt. Im Verdacht steht Franks großer Bruder Dennis mit seinen Kumpels.
Die Krokodile beschließen auf Kais Vorschlag hin, in der baufälligen alten Ziegelei in neues Quartier zu errichten. Die Ablehnung gegenüber Kai ist bei den Jungs immer noch massiv, und das nur weil er im Rollstuhl sitzt. Nur Maria, die Schwester von Anführer Olli und das einzige Mädchen in der Bande, ergreift Partei für Kai. Der kontert die dummen Sprüche ganz routiniert. Mit einigem Humor kommen die Vorstadtkrokodile dem gehbehinderten Jungen näher. Sie beginnen ihn zu akzeptieren.
In der verlassenen Ziegelei entdecken die Kinder das Beutelager der Diebesbande. Mit detektivischen Methoden machen sich die Krokodile gemeinsam daran, die Verbrecher aufzuspüren. Es ist die Gang von Franks Bruder Dennis. Die Vorstadtkrokodile stehen jetzt in einem Interessenskonflikt. Den Bruder eines Mitglieds zu verraten, auch wenn er noch so ein mieser Kerl ist, das geht nicht. Für Hannes geht es aber um viel mehr, nämlich um die Existenz. Diese Diebesbande muß unbedingt geschnappt werden, damit seine Mutter den Laden weiterführen kann. Enttäuscht wendet sich Hannes von den gerade neu gewonnenen Freunden ab. Er fühlt sich von den Krokodilen im Stich gelassen, und von Kai will er jetzt auch nichts mehr wissen...
Der 1977 vom WDR produzierte TV-Film "Die Vorstadtkrokodile" wurde ein Klassiker des pädagogischen Jugendfilms. Die Firma Constantin Film bastelte knapp drei Jahrzehnte später aus dem Stoff eine Neuverfilmung und machte die neuen Vorstadtkrokodile zu einer Abenteuer-Marke mit gleich noch zwei hanebüchenen Fortsetzungen. Die Produzenten nehmen explizit Bezug auf die Originalfassung, liefern jedoch statt eines pädagogisch wertvollen Films eine ganz dem Zeitgeist des Jahres 2009 entsprechende Teen-Action-Komödie.
Der Realitätsbezug und die Ernsthaftigkeit des Originals wurden der kommerziellen Unterhaltung geopfert. Das freilich nicht aus bloßer Ignoranz, sondern weil es im gegenwärtigen deutschen Gesellschaftsprofil gar keinen Markt für hochwertige Kinder- und Jugendfilme gibt, wie sie etwa in höher gebildeten und progressiveren Ländern wie denen Skandinaviens und Benelux üblich sind. Das deutsche Publikum verlangt nur noch nach Schenkelklopfern, und zu diesem Niveau werden hierzulande auch die Kinder erzogen. Deutsche Kinofilme, zu einem Gutteil mit Steuergeldern finanziert, müssen mit Flapsigkeit und plattem Witz daherkommen, damit für die beteiligten Kapitalanleger bei den Verwertungsfirmen die Kasse klingelt. Das gipfelt dann bei der 2009 Version von "Vorstadtkrokodile" in der Albernheit, daß Kai bei der Verfolgungsjagd den Raketenantrieb seines Rollstuhls zündet und wie ein Amokfahrer durch die Fußgängerzone pflügt.
Die sozialen Konflikte, die im Original die Essenz des Films bilden, werden in der Neuauflage nur ins Lächerliche gezogen. Ein Kind im Rollstuhl ist heute nicht mehr so exotisch wie noch vor 30 Jahren. Die Akzeptanz und die Integration von Behinderten ist ein Stück fortgeschritten, was nicht zuletzt auch ein Verdienst der generationsprägenden original "Vorstadtkrokodile" ist. Die blöden Behindertenwitze, mit denen im Film der Klischeeausländer herumproletet, sind traurigerweise gar nicht realitätsfern für die Bevölkerungsgruppe, die er darstellt. Trotzdem ist diese Rolle überflüssig. Im Original stehen die Krokodile im Streit mit einer Clique italienischer Gastarbeiterkinder, das war in den 1970ern westdeutsche Wirklichkeit. Italiener sind heute in Deutschland assimiliert. An ihrer Stelle zeigt man deshalb jetzt ein paar spielende kleine Albanerkinder, was mehr als peinlich ist.
Der zierliche Hannes ist ein innerlich starkes Kind. Er lebt mit seiner Mutter allein, muß früh im Haushalt selbständig sein, die ständige Geldknappheit managen. Sie rackert sich mit einem Bein in ihrem bescheidenen Laden ab, während sie mit dem anderen Bein büffelt, um endlich ihr Studium abzuschließen, und irgendwo dazwischen hat sie auch noch einen wunderbaren kleinen Sohn, der sie ganz tapfer unterstützt.
Kai hat trotz seiner Behinderung ein enormes Selbstvertrauen. Er hat den unerschütterlichen Willen, in jeder Situation allein klarzukommen. Es sollen ihm nicht immer andere Menschen mitleidig helfen bei Dingen, die er selbst kann. Vor allem seine Mutter, die ihn total überbehütet, empfindet er als lästig.
Franks Familie repräsentiert das deutsche Unterschichtmilieu, wo asoziales Verhalten und Gewalt die Norm sind. Pöbeln, drohen und prügeln pflanzt sich in einer Kette fort vom Vater auf den älteren Sohn, und von dem auf den jüngeren Bruder.
Bei "Die Wilden Kerle" hatte Nick Romeo Reimann als Knirps angefangen und war mit den Filmen in seine Rolle hineingewachsen. Die "Vorstadtkrokodile" geben dem aufgeweckten Jungtalent eine erste große Hauptrolle. Nick führte alle Stunts selbst aus. Nick sticht als Sympathieträger um so mehr heraus, als die übrigen Kinder ziemlich blaß und klischeehaft besetzt sind.
Nummer 2, Fabian Halbig von der Teen Band Killerpilze, hat für sein Schauspieldebüt als Kai extra gelernt, wie man sich mit gelähmten Beinen im Rollstuhl und außerhalb bewegt. Manuel Steitz ist seit seiner niedlichen Seppel Rolle im "Räuber Hotzenplotz" kräftig in die Höhe geschossen. Er spielt den Olli, dessen Position als Anführer der Krokodile das Drehbuch eher defensiv vorgibt. Die markige, rauhe Bubenfigur, die das Original vorzeichnet, wurde hier zu einem klugen, zurückhaltenden Charakter umgeschrieben. Olli kann sich keineswegs in jeder Frage mit der nötigen Autorität durchsetzen, vor allem auch weil seine Schwester zu stark ist. Maria nimmt ihm leicht das Ruder aus der Hand.
Aggressionen und Raufereien, wie sie bei Auseinandersetzungen und Machtkämpfen zwischen Jungs stattfinden, sind aus dem Drehbuch komplett gestrichen. Auch hier ist wohl das erklärte Konzept einen rein fiktiven Film machen zu wollen verantwortlich für den fehlenden Realismus. Statt die Lebenswirklichkeit der Teenies korrekt darzustellen, wird ein gekünsteltes Bild von sauberen Superhelden gezeichnet, bei dem die von den Eierkuchen-Träumern nicht so gerne gesehenen Aspekte wie Gewalt, Kriminalität, Sozialarmut, Sexualität, Ausländerproblematik und vieles mehr im Skript einfach wegretouchiert wird.
Das Kernthema der ursprünglichen "Vorstadtkrokodile", nämlich bei Jugendlichen durch eine emotional ergreifende Geschichte für die Akzeptanz behinderter Kameraden zu werben, ist, wenngleich noch immer nicht ganz, so aber doch zum größten Teil historisch überholt. Von der Sozialkritik, die der Originalfilm transportiert, ist in der modernisierten Fassung nichts geblieben.
Als Fazit kommt man zu dem Befund, daß Regisseur Christian Ditter aus dem sozialkritischen Stoff der 1970er Jahre ein zahnloses Kinderabenteuer zur Serienvermarktung gemacht hat. Zwei weitere Teile mit neu erfundenen Vorstadtkrokodil-Stories folgen dem Kinofilm noch. Ditters Anspruch, mit seiner Interpretation der "Vorstadtkrokodile" eine Fantasiegeschichte zu erzählen, kann man also nur als Einladung verstehen, sich im Sessel zurückzulehnen und die Nick Romeo Reimann Show zu genießen. Der Junge ist pures Gold.
(Pino DiNocchio)
![]() |
683091 DE | |
| Tonspur: | Deutsch | |
| Untertitel: | D | |
| Länge: | 92 Min. | |
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.85 | |
| Extras: | Audiokommentar mit Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe und Regisseur Christian Ditter sowie den Produzenten Lena Olbricht und Christian Becker; Making of ; Deleted und Extended Scenes; Outtakes; Interviews; Blick hinter die Kulissen; Musikvideo „Apollo 3“; Casting Recall | |
| - minus - | Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt |
![]() |
783091 DE | |
| Tonspur: | Deutsch | |
| Untertitel: | D | |
| Länge: | 96 Min. | |
| Bild: | 16:9 Widescreen 1:1.85 | |
| Extras: | Audiokommentar mit Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe und Regisseur Christian Ditter sowie den Produzenten Lena Olbricht und Christian Becker; Making of ; Deleted und Extended Scenes; Outtakes; Interviews; Blick hinter die Kulissen; Musikvideo „Apollo 3“; Casting Recall | |
| - minus - | Covermotiv mit Zensurzeichen überdruckt |
![]() | ![]() |