DER TINTENFISCH UND DER WAL

  • Film DVD
  • deutsch + englisch
    77 Min.
    661707 ITnicht mehr im Handel
  • Film DVD
  • deutsch + englisch
    77 Min.
    661709 DEnicht mehr im Handel

    Originaltitel: The Squid and the Whale
    Filmlänge: 73 Min. ohne Abspann
    Regie: Noah Baumbach
    Musik:  
    Darsteller: Jeff Daniels, Laura Linney, Jesse Eisenberg, Owen Kline, Halley Feiffer, Anna Paquin, William Baldwin, David Benger
    USA 2005

    DER TINTENFISCH UND DER WAL - The Squid and the Whale

    Bernard und Joan eröffnen ihren beiden geschockten Söhnen, daß sie fortan das Schicksal ihrer meisten Altersgenossen teilen müssen: Sie werden Scheidungskinder!
    Alles ist schon fein säuberlich geregelt. Mom behält das Haus, Dad nimmt sich ein eigenes Haus am anderen Ende von Brooklyn. Die Kinder werden präzise in der Mitte geteilt, sie sollen mit beiden Eltern exakt gleich viel Zeit verbringen. Bernard schafft sogar das mathematische Wunder, 7 Wochentage ohne Rest durch 2 zu teilen. Nur die Aufteilung des Katers ist nicht gelöst.
    Schnell kristallisiert sich heraus, daß die Jungen eindeutig verschiedene Präferenzen haben. Der 16jährige Walt tendiert klar zum Vater. Der 12jährige Frank fühlt sich zur Mutter hingezogen.
    Bernard Berkman ist ein ziemlich eingebildeter Schriftsteller, der Kafka für einen seiner Vorläufer hält. Seine publizistische Karriere ist seit längerem auf dem absteigenden Ast, seine Werke finden keine Verleger mehr. Daß seine Frau ebenfalls mit dem Schreiben angefangen hat und ihn langsam an Erfolg überflügelt, wurmt ihn mächtig.
    Bald nimmt Bernard die frivole Lili, eine seiner Studentinnen aus dem Literaturseminar, als Untermieterin in seiner Wohnung auf. Er beginnt mit Lili ein Verhältnis, während sie gleichzeitig seinen verunsicherten Sohn Walt heißmacht.
    Walt bewundert seinen Vater, er trägt auch ganz dessen selbstgefällige Charakterzüge in sich. Als er erfährt, daß seine Mutter schon lange eine Affäre gehabt hatte, wirft er ihr angiftend vor, den Vater betrogen zu haben. Er gibt ihr die Schuld an der Zerstörung der Familie und wendet sich demonstrativ von ihr ab. Gegenüber seiner Freundin Sophie erweist sich Walt als sexuell gehemmt und bindungsunfähig. In der Schule erschleicht er sich den Erfolg mit Arbeiten, die gar nicht sein eigenes Werk sind, ohne dabei das geringste Unrechtsbewußtsein zu haben. Es sei nur eine Formalität, daß jemand anderes das schon vor ihm geschrieben habe, denn "das hätte ich selber auch gekonnt", meint er mit inbrünstiger Überzeugung. Dafür landet er beim Schulpsychiater.
    Joan hat nur noch Augen und Ohren für ihren neuen Liebhaber Ivan. Der ist der Tennislehrer der Familie, der besonders für Frank bislang ein Vorbild war.
    Die Kinder werden rücksichtslos hin und her geschoben und haben brav zu folgen, schließlich sind sie minderjährig und haben sich dem Egoismus der Eltern zu unterwerfen. Walt ist alt genug, sich zu widersetzen. Doch sein jüngerer Bruder Frank geht in dem Gezerre regelrecht verloren. Das Wegbrechen des ihm vertrauten Idealbilds von der elterlichen Ehe wirkt irritierend auf die Entwicklung des 12jährigen. Mit seinen Fragen und Gefühlen alleingelassen, flüchtet sich der Junge in Alkohol und exzessive Masturbation. Frank sucht seine erwachende Sexualität irgendwo einzuordnen, indem er mit seinem Körper experimentiert...

    Wenn zwei sich streiten, freut sich die Katze. Gegenstand des Films ist eine Charakterstudie der in der Scheidungsschlammschlacht verlorenen Söhne. Das lächerliche Verhalten der Erwachsenen ist kaum ernstzunehmendes Beiwerk. Die Leidtragenden sind wie so oft die Kinder, die, aus ihrem behüteten Zuhause herausgerissen, der neuen Situation hilflos gegenüberstehen.
    Die jungen Darsteller sind herausragend. Ganz große Klasse ist Owen Kline. Der Sohn von Schauspieler Kevin Kline stand zuvor erst ein Mal in einer Nebenrolle an der Seite seines Vaters vor der Kamera. In "The Squid And The Whale" spielt der aufgeschlossene 12jährige mit völliger Selbstsicherheit den schwierigen Part des pubertierenden Frank. Dem Regisseur und der Familie Kline ist es hoch anzurechnen, daß sie den Jungen so freimütig in sexuell orientierten Szenen, mit Schimpfworten und Alkoholkonsum agieren ließen. Owen spielt das alles mit einer erfrischenden Lässigkeit.
    Seit "Once Upon A Time In The West" ist die Idee zwar nicht mehr neu, aber bisweilen immer noch wirkungsvoll, jeder Person eine bestimmte Musik zuzuweisen. Franks intime Momente sind immer begleitet von dem wunderbar atmosphärischen Stück "Love On A Real Train" von Tangerine Dream, welches ursprünglich aus dem Soundtrack von "Risky Business" stammt.
    Walts musikalisches Leitthema bilden Songs aus "The Wall" von Pink Floyd. Jesse Eisenberg hat sich zu einem veritablen Schauspieler gemausert. Sein konsequent abwesender Blick kennzeichnet Walt als einen Teenager, der neben sich steht und keine eigene Linie im Leben findet. Sehr schön, daß sich die Jungs trotz ihrer unterschiedlichen Positionen beim Streit ihrer Eltern ein starkes Band brüderlicher Solidarität bewahren. Autor und Regisseur Noah Baumbach bezieht sich in dem Familiendrama auf autobiographische Erinnerungen. Daß die Geschichte in Brooklyn im Jahr 1986 spielt, ist eigentlich nebensächlich, denn im Grunde ist sie zeitlos. Einen richtigen Schluß gibt es nicht. Der Zuschauer bleibt zurück mit den tiefen Eindrücken von dem Gefühlschaos, welches durch das Zusammenbrechen einer Familie aufgeworfen wird. (Pino DiNocchio)



    661707 IT
    Tonspur: Deutsch / Englisch / Italienisch
    Untertitel: D, E, I, TUR
    Länge: 77 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes Featurette, Interview mit Noah Baumbach


    661709 DE
    Tonspur: Deutsch / Englisch / Italienisch
    Untertitel: D, E, I, TUR
    Länge: 77 Min.
    Bild: 16:9 Widescreen 1:1.85
    Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes Featurette, Interview mit Noah Baumbach


    ©   2006 / 2007 by TAMINGO Media Publishing